Dr. Humenik, Martin

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Hybridmaterialien

Forschungsübersicht

Selbstorganisation als Gestaltungsprinzip

Selbstorganisation beruht auf autonomen, nicht-kovalenten Wechselwirkungen zwischen molekularen Bausteinen. Sie erfordert keinen externen Energieeintrag und setzt der dimensionalen Skalierung — vom Nanometer bis zum Makroskopischen — keine grundsätzliche Grenze. Die Natur nutzt diese Logik, um Materialien mit außergewöhnlicher Organisation und Funktion herzustellen: Knochen, Muschelschalen, Spinnenseide.

Unsere Gruppe wendet diese Prinzipien an, um Hybrid-Biomaterialien zu entwickeln, die die Programmierbarkeit der Nukleinsäure-Nanotechnologie mit der strukturellen Robustheit rekombinanter Spinnenseidenproteine verbinden. Das Ergebnis ist eine vielseitige Plattform für räumlich definierte, biologisch aktive Nanomaterialien, die mit Zellen, Enzymen und synthetischen Nanostrukturen interagieren können.

 

Hybrid Biomaterials · Self-Assembly · Nanotechnology

 

I.

DNA–Protein-Konjugationschemie

Die ortsspezifische Azid-Alkin-„Click“-Kupplung verbindet rekombinante eADF4(C16)-Spinnenseide mit maßgefertigten Oligonukleotiden. Wir untersuchen, wie die chemische Konjugation die Fibrillenmorphologie, die Kinetik der Selbstorganisation und die Oberflächenreaktivität.

II.

Programmierbare hierarchische Assemblierung

DNA-Hybridisierung steuert die räumliche Anordnung der Seideneinheiten in Lösung und erzeugt verzweigte Strukturen, Bänder und Mikro-Flöße, die durch konstruierte Komplementarität und Temperaturgradienten reguliert werden.

 

III.

Mikropatterning der Nanohydrogele

Fotolithografie und Mikrokontaktdruck legen fest, wo Seidenfibrillen auf einer Oberfläche keimen und wachsen. Die entstehenden Fasernetzwerke quellen und erweichen wie Hydrogele und schaffen dreidimensionale Nischen innerhalb beliebiger Mikrostrukturen.

 

IV.

Oberflächenfunktionalisierung mit Aptameren

An Seiden-Nanohydrogele konjugierte DNA-Aptamere verleihen biosselektive Bindungen — sie ermöglichen die gezielte Erfassung von Proteinen, Enzymen, Wachstumsfaktoren und lebenden Zellen, ohne die Integrität des Fibrillennetzwerks zu beeinträchtigen.

 

 

Perspektive und Anwendungen

Eine multifunktionale Plattform für Biologie und Medizin

Die Kombination aus der mechanischen Belastbarkeit und der Umweltstabilität der Spinnenseide mit der Programmierbarkeit von Nukleinsäure-Wechselwirkungen schafft ein einzigartiges, vielseitiges Gerüst. Nachfolgend sind die Anwendungsbereiche aufgeführt, die unsere Technologie adressiert.

Isolierung zirkulierender Tumorzellen

Aptamer-funktionalisierte Nanohydrogel-Microarrays erfassen selektiv bestimmte Krebszelltypen aus komplexen biologischen Flüssigkeiten. Die geringe unspezifische Bindung des Seiden-netzwerks minimiert den Hintergrund und verbessert die Empfindlichkeit für Flüssigbiopsie-Anwendungen.

Kontrollierte Wirkstoff- und Proteinfreisetzung

Aptamer-gesteuerte Seiden-Nanohydrogele setzen therapeutische Proteine als Reaktion auf molekulare Trigger frei. Redox- und pH-sensitive seidenbasierte Wirkstoffträger  erweitern dies auf niedermolekulare Wirkstoffe und ermöglichen stimuli-responsive implantierbare Depots..

Programmable tissue engineering scaffolds

DNA-gesteuerte Zellmuster auf 3D-Nanohydrogel-Mikrostrukturen bieten räumlich definierte Nischen für die Gewebebildung. Mehrkomponentensysteme mit co-immobilisierten Wachstumsfaktoren steuern die Stammzell-differenzierung oder von Organ-on-Chip Systemen.

Biosensoren und Diagnostik

Seiden-DNA-Hybride, die mit Enzymreportern oder Goldnanopartikeln funktionalisiert sind, bilden die Grundlage für hochempfindliche elektrochemische oder optische Biosensoren. Die möglichen Anwendungen bauen auf der Grundlagenarbeit unserer Gruppe zur elektrochemischen Detektierung auf.

Antifouling-Implantatbeschichtungen

Beschichtungen aus eADF4(C16)-Nanofaserseide verhindern die Anhaftung von Bakterien und weisen Mikroben ab, ermöglichen jedoch die spezifische Bindung von Säugetierzellen – was sie zu vielversprechenden Kandidaten für zukünftige infektionsresistente, bioselektive Implantatoberflächen macht.

Regenerative Medizin

Fibrilläre Nanohydrogel-Netzwerke, die Zelladhäsionsmotive und Signalfaktoren enthalten, können adaptible Mikroumgebungen für die Geweberegeneration bieten. Durch Integration von photolithografischer Mikrostrukturierung entstehen biomimetische Gerüstarchitekturen nativer Gewebe.

 

 

Research Projects

Prinzler, Miriam

miriam1.prinzler(.at.)uni-bayreuth.de

0921 55 6711

Nanohydrogel-Modifikationen für TE (MP)

 

Die gezielte Modifikation von Biomaterialoberflächen ermöglicht die Entwicklung von Systemen für Anwendungen im Bereich des Tissue Engineering. Durch die Funktionalisierung mit DNA-Aptameren können Biomaterialien mit der Fähigkeit ausgestattet werden, spezifische Zielmoleküle mit hoher Affinität und Selektivität zu binden. Ziel ist die Entwicklung multifunktionaler Biomaterialien, die zelluläre Prozesse gezielt beeinflussen und die Geweberegeneration unterstützen.

 

Projekt 1: Chemische Funktionalisierung von Biomaterialien

Für die Immobilisierung von Aptameren werden verschiedene Biomaterialplattformen, wie Chitosan-basierte Materialien, rekombinante Spinnenseidenmaterialien und faserbasierte PCL-Gerüste, chemisch modifiziert. Dabei werden geeignete Kopplungsstrategien getestet, um Aptamere stabil an die Materialien zu binden und ihre Funktionalität zu erhalten.

 

Projekt 2: Bindung und Freisetzung bioaktiver Moleküle

Durch die Immobilisierung spezifischer Aptamere sollen Biomaterialien Wachstumsfaktoren und andere Signalmoleküle gezielt binden, speichern und kontrolliert freisetzen. Untersucht wird, wie die Oberflächenmodifikation die Bindungs- und Freisetzungseigenschaften beeinflusst.

 

Projekt 3: Zell-Biomaterial-Interaktionen

Die mit Aptameren funktionalisierten Biomaterialien werden hinsichtlich ihrer Wechselwirkung mit Zellen untersucht. Im Fokus stehen dabei Effekte auf Zelladhäsion, Proliferation und Differenzierung, um das Potenzial der Materialien für Anwendungen im Tissue Engineering zu bewerten.

Schiller, Tim

tim.schiller(at)uni-bayreuth.de

0921 55 6711

Implementierung von Nanhydrogelen in Biosensoren (TiS)

Rekombinante Spinnenseidenproteine assemblieren unter milden wässrigen Bedingungen und Einfluss von Phosphationen zu β-Faltblatt-reichen Fibrillen. Dieser Nukleationsmechanismus kann zur Ausbildung von Protein-Nanohydrogelen verwendet werden, d.h. immobilisierte, vernetzte Strukturen mit Quellverhalten.

Katalytisch aktive Proteine (Enzyme) benötigen kontrollierte Umgebungsbedingungen, um ihre Aktivität zu erhalten, insbesondere im immobilisierten Zustand. Spinnenseidenprotein-basierte Nanohydrogele ermöglichen eine vielfältige kovalente oder nicht-kovalente Einbindung von Enzymen in kontrollierter, schützender Mikroumgebung. Darüber hinaus lassen sich die Nanohydrogele auf verschiedene Oberflächen, wie beispielsweise Goldelektroden und elektro-gesponnene Vliesstoffe, übertragen und eröffnen somit ihre potenzielle Anwendung im Bereich der Biosensorik.

Best, Nadine

nadine.best(.at.)uni-bayreuth.de

0921 55 6710

Charakterisierung der physikalisch-chemischen Eigenschaften von Nanohydrogelen und deren Anwendung in der Biomedizin

 

Das rekombinante Spinnenseidenprotein eADF4(C16) zeigt eine Assemblierung von Proteinfibrillen mit hohem Anteil an β-Faltblatt-Sekundärstrukturen. Die Bildung der Fibrillen entsteht durch Selbstassemblierung, welche durch Phosphat-Ionen getriggert wird. Dieser Mechanismus dient als Vorlage für den Aufbau immobilisierter Hydrogele mit Schichtdicken im Nanometerbereich, die in biomedizinischen Anwendungen eingesetzt werden können.

Projekt 1: Untersuchung der physikalisch-chemischen Eigenschaften

Die Struktur und Funktion von Nanohydrogelen wurden bislang noch nicht systematisch untersucht. Aus diesem Grund konzentriere ich mich in diesem Projekt auf die Charakterisierung der physikalisch-chemischen Eigenschaften von Nanohydrogelen, beispielsweise Quellung, Nanomechanik, Selbstheilung und Interaktion mit Proteinen, um eine maßgeschneiderte Anwendung der Nanohydrogele zu ermöglichen.

Projekt 2: Zellmustererzeugung mittels Photolithographie

Nanohydrogele können mittels Click-Chemie mit DNA-Strängen funktionalisiert werden. In diesem Projekt werde ich eine photoinduzierte Click-Reaktion nutzen, um DNA-Aptamere in definierten Mustern zu immobilisieren und so eine räumlich kontrollierte Bindung unterschiedlicher Zelltypen an die Nanohydrogele zu ermöglichen. Die erzeugten Zellmuster können als zweidimensionale Modelle zur Nachbildung von Mikrogewebestrukturen dienen.

Projekt 3: Nanohydrogele als Wirkstoffdepots

DNA-Origami-Strukturen sind vielversprechende Wirkstoffträger, da sich Krebsmedikamente in ihre DNA-Struktur einbauen lassen und sie diese gezielt in die Zellen bringen können. Hier sollen DNA-modifizierte Nanohydrogele entwickelt werden, die die Speicherung und bedarfsgerechte Freisetzung der DNA-Origami-Strukturen ermöglichen. Dieses System könnte in der Behandlung von Krebs, beispielsweise in der Augenheilkunde, Anwendung finden.

Publications

Humenik M. & Scheibel T.

Nanostructured protein surfaces inspired by spider silk

Adv. Mater. 2025, e08959

M. Humenik

Publikationsliste PD Dr. Martin Humenik

Siehe Google Scholar für die komplette Publikationsliste  

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Designed spider silk-based drug carrier for redox- or pH-triggered drug release

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Humenik M., Huang Y., Wang Y., Sprinzl M.

C-terminal incorporation of bio-orthogonal azide groups into a protein and preparation of protein-oligodeoxynucleotide conjugates by Cu(l)-catalyzed cycloaddition

ChemBioChem 8, 1103-1106

Humenik M., Poehlmann C., Wang Y., Sprinzl M.

Enhancement of Electrochemical Signal on Gold Electrodes by Polyvalent Esterase-Dendrimer Clusters

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Ligand-Directed Immobilization of Proteins through an Esterase 2 Fusion Tag Studied by Atomic Force Microscopy

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Poehlmann C., Humenik M., Sprinzl M.

Detection of bacterial 16S rRNA using multivalent dendrimer-reporter enzyme conjugates

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Rapid, specific and sensitive electrochemical detention of foodborne bacteria

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Laomeephol, Ch., Vasuratna, A., Ratanavaraporn, J., Kanokpanont, S., Luckanagul, J., Humenik, M. Scheibel, Th. & Damrongsakkul, S.

Auswirkungen von blended Bombyx mori Silk Fibroin und rekombinanten Spider Silk Fibroin Hydrogels auf das Zellwachstum

Polymers 2021, 13, 4182

Humenik M., Winkler A. & Scheibel T.

Patterning of protein-based materials

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Sea star-inspired recombinant adhesive proteins self-assemble and adsorb on surfaces in aqueous environments to form cytocompatible coatings

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